Eine Stadt-Odyssee

Marathon Reading: Eine Stadt-Odyssee
Samstag, 5. Februar 2022

Wir feiern 100 Jahre Ulysses

Am Samstag, dem 5. Februar 2022 finden an verschiedenen Orten der Stadt Zürich, von 8 Uhr bis nach Mitternacht, 16 Walk-In Lesungen des Romans von James Joyce in deutscher oder englischer Sprache statt. Ein grosser Teil dieses Jahrhundertromans entstand während Joyces Aufenthalt in Zürich von 1915 bis 1919. Alle Lesungsorte haben entweder einen Bezug zu Joyces Leben in Zürich oder zur Handlung im Roman.

Die Lesungen dauern jeweils 60 Minuten und können ohne Vorkenntnisse besucht werden. Es ist unmöglich, sämtlichen Lesungen zu folgen: Wähle daher im Programmüberblick nach Vorliebe den Veranstaltungsort, das Kapitel, die Zeit und die Sprache aus.

Wir danken dem Suhrkamp Verlag für die Lesegenehmigung der deutschen Übersetzung von Hans Wollschläger.

Es lesen Schauspieler und Schauspielerinnen, Studierende der Universität und der ZHdK, Freunde der James Joyce Stiftung, talentierte Amateure und Mitglieder des Zurich English-Speaking Theatre (ZEST).

Folge uns auf Facebook oder Instagram (@ulysses2022zurich) und zähle mit uns den Countdown bis zum 5. Februar 2022 mit vielen visuellen Überraschungen.

 


 

1. 08:00 (4. Kapitel CALYPSO) E

James Joyce Stiftung, Augustinergasse 9

Es ist 8 Uhr morgens. Leopold Bloom, ein jüdischer Anzeigen-Akquisiteur, beschliesst, eine Schweinsniere für sein Frühstück kaufen zu gehen. Seiner Frau Molly bringt er das Frühstück und die morgendliche Post ans Bett, darunter einen Brief von Blazes Boylan, ihrem Konzertveranstalter und baldigen Liebhaber. Bloom bekommt einen Brief aus Mullingar von Tochter Milly.

2. 09:10 (1. Kapitel TELEMACHOS) D

Grossmünster Turm, Lesungsdauer: 20 Minuten

Es ist 8 Uhr morgens. Stephen Dedalus, ein unnahbarer aufstrebender Schriftsteller, bewohnt mit dem Medizinstudenten Malachi „Buck“ Mulligan einen historischen Turm. Stephen ist schlecht gelaunt wegen Mulligans Bemerkungen über seine verstorbene Mutter und weil ihn das eigene Gewissen um deren Tod plagt. Ausserdem hat ihn der englische Besucher Haines mit seinem nächtlichen Geschrei um den Schlaf gebracht. Die drei gehen nach dem Frühstück schwimmen, wo Mulligan den Schlüssel zum Turm an sich nimmt.

3. 09:30 (5. Kapitel LOTOPHAGEN) D

Sauna Christian Drescher, Badeanlage Utoquai

Auf dem Postamt holt Bloom einen Brief seiner heimlichen Korrespondentin Martha Clifford ab. In einer Kirche beobachtet Bloom die Gebräuche, danach geht er sich ein Stück Seife kaufen, trifft auf den von einem Pferderennen besessenen Bantam Lyons und besucht schliesslich ein öffentliches Bad.

4. 10:00 (6. Kapitel HADES) E

Abdankungshalle Friedhof Fluntern & Grab von James Joyce

Bloom fährt mit einer Männergruppe quer durch die Stadt zur Beerdigung von Patrick Dignam. Von ihrer Kutsche aus können sie Stephen und später Boylan sehen. Sie sprechen über den Tod, während Bloom an seinen verstorbenen Jungen denkt und an seinen Vater, der sich vor Jahren das Leben genommen hat.

5. 11:00 (7. Kapitel AEOLUS) D

Druckerei Hürlimann, Lieferanteneingang im Innenhof Haus «Zur blauen Schnecke», Oberdorfstrasse 24/26

Bloom ist im Redaktionsbüro des Freeman’s Journal. Er will für seinen Kunden eine Werbeannonce aufgeben und dafür ein möglichst gutes Geschäft aushandeln. Im Trubel und Chaos der Redaktion geht er aber unter oder wird ignoriert. Die Anwesenden machen sich lustig über eine aufgeblasene Rede.

6. 12:30 (8. Kapitel LÄSTRYGONEN) D

Restaurant Weisser Wind, Theatersaal, Oberdorfstrasse 20

Auf der Suche nach einer Mittagsstätte begegnet Bloom einer früheren Verehrten und erfährt von Mina Purefoys schwieriger Entbindung. Er zieht weiter zum Pub Davy Byrne, wo er ein Gorgonzola-Sandwich und ein Glas Burgunder bestellt. Bei den Gedanken über sein Leben mit Molly fragt er sich, ob die Statuen von Göttinnen wohl einen Anus haben. In der Nationalbibliothek will er das überprüfen, flieht aber dann um Boylan zu vermeiden in das Nationalmuseum.

7. 13:00 (9. Kapitel SKYLLA & CHARYBDIS)  D

Landesmuseum, Bibliothek

Stephen sucht die Nationalbibliothek auf. Im Büro des Direktors verwickelt er ein paar Bibliothekare in ein Gespräch über Literatur. Dass man seinen bizarren Theorien über Hamlet und Shakespeare folgen können soll, scheint ihm kein besonderes Anliegen zu sein. Er geniesst offensichtlich seinen Auftritt, bis Mulligan dazustösst und ihm die Show stiehlt.

 

8. 15:00 (10. Kapitel DIE IRRFELSEN) D

Ulysses – Mirage Tram, Abfahrt um 15:00 ab Central

Rundfahrt: Central – HB Bahnhofstrasse – Paradeplatz – Bleicherweg – Enge – Rentenanstalt – Bürkliplatz – Bellevue – Limmatquai – Central …..

Im Mittelpunkt des Kapitels steht die Stadt mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern, die sich durch die Strassen Dublins bewegen – angefangen beim Jesuitenpater Conmee bis hin zur Kavalkade des Lord Lieutenant von Irland.

 

9. 15:30 (11. Kapitel DIE SIRENEN) E

Rest. Kronenhalle, Kronenhalle Galerie, 1. Stock, Rämistrasse 4

Im Ormond Hotel bestellt Bloom etwas zu essen, während sich Boylan auf den Weg zu Blooms Haus macht. Bloom lauscht den Gästen, die Opernarien und irische Balladen singen, beobachtet die verführerischen Bardamen und beantwortet nebenbei Martha Cliffords koketten Brief.

 

10. 16:00 (12. Kapitel ZYKLOP) E

James-Joyce Pub, Pelikanstrasse 8

Ein namenloser Erzähler trifft im Barney Kiernans Pub den sogenannten „Citizen“, einen zänkischen Nationalisten. Von diesem bedrängt versucht Bloom sich zu wehren, verschlimmert aber dadurch alles noch. Die Situation eskaliert und der Citizen wirft mit einer Keksdose nach ihm. Bloom entkommt nur knapp.

 

11. 17:30 (13. Kapitel NAUSIKAA) E/D zweisprachig

MS Etzel, Schiffssteg Bürkliplatz

Bloom beobachtet am Strand drei junge Frauen mit kleinen Kindern. Die verträumteste von ihnen, Gerty MacDowell, sitzt auf einem Felsen und sinniert über Liebe und Heirat. Sie bemerkt Bloom und gewährt ihm neckisch einen Blick auf ihre Beine und Unterwäsche. Erregt masturbiert Bloom. Als sich Gerty auf den Heimweg macht, fällt ihm auf, dass sie hinkt. Dann lässt Bloom seinen langen Tag Revue passieren.

 

12. 18:00 (14. Kapitel DIE RINDER DES SONNENGOTTES) D

Literaturhaus/ Museumsgesellschaft, Limmatquai 62

Das Kapitel ahmt die Entwicklung der englischen Sprache nach. Bloom will auf der Entbindungsstation Mina Purefoy besuchen und trifft dort auf eine Gruppe Medizinstudenten, darunter den betrunkenen Stephen. Während abseits der Bühne mühevoll ein Junge geboren wird, reden die Studenten frivol über Frauen, Geburt und Sexualität. Bloom hingegen denkt über die gleichen Themen ernsthaft nach. Die Gruppe bricht dann eilig und kurz vor Torschluss in die nächste Kneipe auf.

 

13. 19:30 (15. Kapitel KIRKE) E

Restaurant Weisser Wind, Theatersaal, Oberdorfstrasse 20, Lesungsdauer: 90 Minuten

Stephen und Lynch stolpern in Bella Cohens Bordell und Bloom läuft ihnen hinterher. Im Rotlichtmilieu verschwimmen Fantasie und Wirklichkeit. Als Stephen einen Kronleuchter zerschlägt und flüchtet, übernimmt Bloom die Verantwortung. Er versucht auch einzugreifen, als Stephen im Streit von einem Soldaten niedergeschlagen wird, und kümmert sich um ihn, als die Polizei erscheint.

 

14. 21.30 (16. Kapitel EUMÄUS) E

Clublokal Kanu-Club Zürich, Schipfe 33

Bloom führt den alkoholisierten Stephen zu einer Raststätte für Taxi-Kutschenfahrer, wo ihnen ein Seemann Murphy abenteuerliche Geschichten erzählt.

 

15. 23:00 (17. Kapitel ITHAKA) D

Museum Strauhof, 1. Stock, Augustinergasse 9, Lesungsdauer: 45 Minuten

Bloom nimmt Stephen mit zu sich nach Hause. Bei einer Tasse Kakao reden sie, doch hauptsächlich aneinander vorbei. Bloom bietet Stephen an, bei ihm zu übernachten, aber dieser lehnt ab. Sie urinieren beide im Hof und Stephen zieht weiter in die nächtliche Finsternis. Als Bloom zu Bett geht, fragt ihn Molly über seinen Tag aus, bis er einschläft.

 

16. 24:00 (18. Kapitel PENELOPE) D

James Joyce Stiftung, Augustinergasse 9

Molly liegt wach im Bett. Ihre Gedanken kreisen um Boylan, Bloom, ihre früheren Verehrer, die Kindheit in Gibraltar und ihre Laufbahn als Sängerin. Schliesslich endet sie bei ihrer Erinnerung an Blooms Heiratsantrag, damals auf Howth, und ihrer Antwort: Ja.