joyce@zürich.zb

Zentralbibliothek
Exhibition

23. Februar - 8. April 2004
in der Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, 8001 Zürich
Montag-Freitag 8 Uhr - 20 Uhr
Samstag 8 Uhr - 16 Uhr

2004 jährt sich zum 100. Mal jener Tag, der einging in den literarischen Kalender: der 16. Juni 1904 wurde mit James Joyces Roman "Ulysses" zum 'WeltAlltag einer Epoche' (Hermann Broch). Einen grossen Teil des Romans schrieb Joyce in Zürich und während dieser Zeit war er ein häufiger Benutzer der Zentralbibliothek. Grund genug, James Joyce und seinem Werk an diesem Ort eine kleine Ausstellung zu widmen.

Als Joyce im Oktober 1904 als 22-jähriger mit seiner Gefährtin Nora Barnacle eher zufällig in Zürich ankam -- in Aussicht einer Stelle als Englischlehrer -- und die Stadt kurz darauf wieder verliess, konnte er noch nicht wissen, dass Zürich, neben Triest, Paris und seiner Heimatstadt Dublin, zu einer Hauptstation seines Lebens werden würde.

Die Zeit des 1. Weltkriegs verbrachte Joyce mit Nora und seinen beiden Kindern vorwiegend in dieser Stadt. Nach Kriegsende siedelte die Familie nach Paris über. Im Dezember 1940 gelang den Joyces dank dem unermüdlichen Einsatz seiner Zürcher Freunde die Einreise in die Schweiz aus dem besetzten Frankreich. Wenige Wochen später, am 13. Januar 1941, starb Joyce in Zürich unerwartet früh.Obwohl Joyce nach 1904 nie wieder in Irland lebte, schrieb er nur über Dublin, dessen städtisches Leben und Topografie in seinen Werken mehr als blosse Kulisse bilden. Dieser realistischen Seite steht eine experimentelle gegenüber: Joyce gilt als einer der wichtigsten Autoren der Moderne. Schon seine Kurzgeschichten "Dubliners" (1914), gefolgt vom autobiographisch geprägten "A Portrait of the Artist as a Young Man" (1916), entfernten sich von der Erzähltradition des 19. Jahrhunderts. Mit "Ulysses" (1922) hat er die Romanform nachhaltig verändert. Es waren jedoch die als wenig literaturtauglich erachteten Themen, die dem Buch jene hindernisreiche Publikations--geschichte bescherten, welche im Prozess der "United States vs One Book Called 'Ulysses' " kulminierte. Im letzten Werk, "Finnegans Wake" (1939), hat Joyce vollends die zeitlichen, geografischen, sprachlichen und formalen Grenzen überschritten.

Nach einem kurzen biografischen Bilderbogen befasst sich die gegenwärtige Ausstellung in einem erstem Schwerpunkt anhand von vier hiesigen Figuren näher mit den Zürcher Jahren. Dies ist zum einen der englische Maler Frank Budgen, dem wir einen einfühlsamen Einblick in die Entstehung von Joyces Hauptwerk verdanken. Mit der Stadt verband ihn auch seine Freundschaft mit der Kunsthistorikerin Carola Giedion-Welcker, die ihn grosszügig unterstützte und an der Einführung seines Werkes im deutschen Sprachraum wesentlich beteiligt war. Eine weitere Zürcher Persönlichkeit, die sich mit Joyce auseinandersetzte, war C. G. Jung. Joyce seinerseits suchte bei Jung Rat wegen seiner Tochter Lucia. Schliesslich sollte die Bekanntschaft mit der jungen Marthe Fleischmann im "Ulysses" ihre Spuren hinterlassen. Joyces Liebesbriefe an sie lesen sich geradezu als literarische Einübungen in das "Nausikaa"-Kapitel.

Diese Episoden leiten über zur Präsentation von Joyces Werken. Zu den genannten Titeln kommen die weniger bekannten Gedichtbände, ein Drama ("Exiles") sowie eine postume Publikation, wobei der Schwerpunkt bei "Ulysses" gesetzt ist. In ausgewählten Szenen zeigen sich dessen Charaktere als Bücherliebhaber und Lesende &endash; schliesslich findet die Ausstellung in einer Bibliothek statt &endash; und ein weiteres Beispiel gibt Einblick in Joyces spannenden, vielschichtigen Schreibprozess.

Schlusspunkt bildet eine spielerischironische Facette von Joyces Nachleben, präsentiert unter dem Stichwort 'Kitsch und Kult'.